Leitbild des Schutzkonzeptes
Jeder Mensch ist nach Gottes Ebenbild geschaffen. Dies verleiht uns Menschen Würde – unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Identität, körperlicher, geistiger und seelischer Gesundheit oder ethnischer Herkunft. In unserer Brüderschaft wollen wir diese Würde achten. Wir begrüßen Vielfalt. Als Mitglieder der Brüderschaft übernehmen wir Verantwortung füreinander, um uns gegenseitig vor grenzüberschreitendem Verhalten und Übergriffen zu schützen, sei es physische, psychische oder sexualisierte Gewalt. Gewalt hat keinen Raum in unserer Gemeinschaft.
Uns ist es wichtig, dass Menschen, die zu unserer Gemeinschaft gehören, einen sicheren Rahmen vorfinden, in dem Nähe, Gemeinschaft, Gottes Segen und geteilter Glaube erlebt werden können.
Wir achten dabei die spirituelle Freiheit jedes Menschen und respektieren individuelle Glaubenswege. Geistliche Begleitung soll stets stärken und ermutigen. Wir lehnen jede Form geistlicher Gewalt entschieden ab. Spirituelle Autorität darf niemals dazu missbraucht werden, Menschen zu manipulieren, einzuschüchtern oder in ihrer Freiheit einzuschränken.
Wir wissen um die Möglichkeit, dass da, wo Menschen einander begegnen, auch das Risiko für Verletzungen und Fehler besteht. Diese werden, wenn sie geschehen, offen angesprochen. Wo es zu Grenzüberschreitungen oder gar Übergriffen kommt, unterstützen wir aktiv den Umgang mit Beschwerden und Fehlern. Dabei orientieren wir uns an einer Kultur der Achtsamkeit.
Diese Kultur der Achtsamkeit spiegelt sich z.B. in unserem Verhaltenskodex wider, den alle haupt-, neben- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden unterschreiben. Darin wird deutlich, wie dieses Leitbild in unserem täglichen Miteinander konkret wird.
Verhaltenskodex der Rummelsberger Brüderschaft
Nähe ist ein Wesensmerkmal unserer Brüderschaft. Auch die Arbeit mit den Menschen, die uns anvertraut sind oder die uns vertrauen, erzeugt Nähe. Als Mitglieder und Mitarbeitende der Brüderschaft sind wir in der Verantwortung, unsere Kontakte in der angemessenen Balance von Nähe und Distanz zu gestalten. Um Beziehungen für alle Beteiligten in dieser Weise zu gestalten, haben wir einen Verhaltenskodex formuliert.
Dieser Verhaltenskodex wird allen Mitgliedern und Mitarbeitenden bekannt gemacht. Damit der Verhaltenskodex mit Leben gefüllt wird, thematisieren wir ihn regelmäßig auf allen Ebenen.
Er wird von allen Mitarbeitenden unterschrieben. Neue Mitarbeitende erhalten ihn zu Beginn ihres Dienstes oder Ehrenamtes. Zur Einführung des Schutzkonzeptes wird er mit allen bestehenden Mitarbeitenden besprochen und von Ihnen unterschrieben.
Der Verhaltenskodex wird im Rahmen der Einsegnungsvorbereitung mit den Sendbrüdern besprochen und von ihnen unterschrieben.
Im Rahmen der Aufnahme von Lebenspartner*innen in die Brüderschaft wird der Verhaltenskodex mit ihnen besprochen und von ihnen unterschrieben.
Zusätzlich achten wir darauf, dass das Prinzip „Voice-, Choice- und Exitoption“ in unserer alltäglichen Arbeit, in unseren Gruppen, Kreisen und bei unseren Veranstaltungen berücksichtigt wird.
Erklärung der Grundsätze von Voice- Choice und Exit:
Voice beinhaltet das Recht, die eigene Stimme zu erheben, Wünsche und Bedürfnisse, aber auch Kritik und Veränderungsvorschläge äußern zu können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.
Choice beinhaltet das Recht über eine Situation mitentscheiden zu können in der man sich befindet bzw. Wahlmöglichkeiten zu haben (z.B. die Wahlmöglichkeit über einen Gesprächsort zu haben, oder wer als Unterstützung noch beteiligt sein soll).
Exit bedeutet, die Möglichkeit zu haben, sich aus einer Situation zurückzuziehen, um eigene Grenzen zu wahren oder um für die eigene (emotionale) Sicherheit zu sorgen.
Neben allen damit verbundenen Möglichkeiten birgt der digitale Raum Risiken. Deshalb reflektieren wir den Umgang miteinander im digitalen Raum in besonderer Weise.
Bei folgenden Gelegenheiten thematisieren wir den Verhaltenskodex und die Verhaltensregeln für den digitalen Raum: z.B. bei Konventen oder dem Brüderschaftstag.
Verhaltenskodex der Brüderschaft
Die Brüderschaft sieht sich ihrem Auftrag und ihrer Sendung gemäß nahe bei den Menschen und insbesondere den Schwachen verpflichtet. Unsere Arbeit mit allen Menschen, insbesondere mit Schutzbefohlenen ist getragen von Respekt, Wertschätzung und Vertrauen. Aus dieser Position heraus haben wir folgenden Verhaltenskodex festgelegt.
- Ich trage dazu bei, ein sicheres, förderliches und ermutigendes Umfeld für mir anvertraute Menschen zu schaffen und/oder zu erhalten. Diese Haltung pflege ich auch im Umgang mit Mitgliedern der Brüderschaft, Kolleg*innen, mir zugeordneten Mitarbeitenden und Vorgesetzten.
- Ich trage dazu bei, alles zu tun, damit durch meine Tätigkeit keine sexualisierte Gewalt, Vernachlässigung und andere Formen der Gewalt möglich werden.
- Ich bemühe mich, die individuellen Grenzempfindungen der Menschen um mich herum wahrzunehmen und zu respektieren.
- Ich bin mir meiner besonderen Verantwortung als Mitarbeiter*in und/ oder Mitglied der Brüderschaft bewusst, gestalte einen verantwortungsvollen Umgang in Bezug auf Nähe und Distanz und gehe achtsam mit meiner Rolle um.
- Ich beachte das Abstands- und Abstinenzgebot und nutze meine Funktion nicht für sexuelle Kontakte zu mir anvertrauten Menschen.
- Meine Kommunikation ist respektvoll und wertschätzend, sowohl im direkten Gespräch als auch in der Kommunikation im digitalen Raum.
- Ich gehe verantwortungsvoll mit Informationen um. Gerüchte, Mutmaßungen oder nicht bestätigte Aussagen über andere Personen verbreite ich nicht. Stattdessen suche ich das direkte Gespräch, wenn Unklarheiten oder Konflikte bestehen.
- Ich will unangemessenes Verhalten anderen gegenüber vermeiden und bin ansprechbar, wenn anderen an meinem Verhalten etwas Unangemessenes auffällt.
- Wenn ich eine Grenzüberschreitung bei meiner Tätigkeit bemerke oder von ihr erfahre, nehme ich sie ernst. Ich wende mich an die Ansprechpersonen oder an Fachberatungsstellen und lasse mich beraten.
- Ich werde entsprechend dem Interventionsplan der Brüderschaft vorgehen, wenn ich sexuelle Übergriffe oder strafrechtlich relevante sexualisierte Gewalt wahrnehme.
Verhaltensregeln für den digitalen Raum
Digitale Räume, in all ihren verschiedenen Ausprägungen sind Bestandteil unseres Lebens und unserer Arbeit. Wir nutzen soziale Netzwerke, Messenger, Videokonferenzsysteme und viele weitere digitale Werkzeuge, um miteinander zu kommunizieren oder um uns virtuell zu treffen. Gleichzeitig wissen wir darum, dass mit ihrer Nutzung Risiken verbunden sind. So können digitale Räume für Hatespeech, Cybergrooming, Cybermobbing oder verschiedene Formen von Übergriffen genutzt werden. Um diesen Risiken zu begegnen, uns für sichere digitale Räume einzusetzen und die uns anvertrauten Menschen zu schützen, vereinbaren wir für uns folgende Regelungen:
- Wir achten auf einen reflektierten Umgang mit privaten Daten, weil sich aufgrund der Dienst- und Lebensgemeinschaft eine klare Abgrenzung nicht vornehmen lässt.
- Allen hauptberuflichen Mitarbeitenden steht für die Kommunikation innerhalb ihres Aufgabengebietes eine offizielle Nummer zur Verfügung.
- Private Daten werden nur mit Einwilligung der betreffenden Personen verwendet oder weitergegeben.
- Wir halten uns bei der Nutzung von Messengerdiensten und anderen digitalen Werkzeugen an die Datenschutzverordnung der ELKB und bemühen uns gleichzeitig um eine lebensnahe digitale Kommunikation.
- Wir sind aktiv in der Administration unserer digitalen Kanäle, um Menschen vor belästigenden oder beleidigenden Kommentaren zu schützen.
- Für uns ist jede Form von digitaler Belästigung inakzeptabel. Sollte diese in unserem Einflussbereich stattfinden, bringen wir sie zur Sprache, dokumentieren sie und leiten konkrete Interventionsmaßnahmen ein.
- Mitglieder und Mitarbeitende der Brüderschaft werden darüber aufgeklärt, dass sie sich jederzeit an die Ansprechpersonen der Brüderschaft wenden können, wenn sie sich online belästigt oder bedroht fühlen.
Wir bieten in der digitalen Kommunikation mehrere Möglichkeiten an (z.B. Emailverteiler, Newsletter, Messenger, Website), damit die Mitglieder und Mitarbeitenden selbst entscheiden können, welche Wege sie nutzen wollen.
Beschwerdemanagement
Partizipation und Schutz in unserer Gemeinschaft
Innerhalb der Rummelsberger Brüderschaft ist uns ein respektvolles Miteinander auf Augenhöhe wichtig. Rückmeldungen und Beschwerden verstehen wir als Chance zur Mitgestaltung und als wesentlichen Baustein unseres Schutzkonzeptes. Ob es um Fehlverhalten, Missstände oder Vorfälle sexualisierter Gewalt geht: Wir nehmen Sie ernst und bagatellisieren keine Vorwürfe.
Wege für Ihre Rückmeldung
Brüdern, Menschen in Ausbildung sowie Lebenspartner*innen stehen verschiedene, niederschwellige Wege offen:
- Persönlich & Intern: Feedback bei Veranstaltungen, Gespräche mit der Brüderschaftsleitung (per Mail, Chat oder Telefon) oder der Vorsitzenden des Ausschusses für Frauenfragen.
- Beratung & Unterstützung: Kontakt zu den benannten Ansprechpersonen für sexualisierte Gewalt oder der Mitarbeitendenvertretung (MAV).
- Digitale Meldestelle (Hinweisgeberschutz): Für Meldungen von Rechtsverstößen oder Beschwerden nach dem AGG nutzen wir die Plattform der ELKB. Hier ist eine anonyme und vertrauliche Meldung möglich, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.
Hier geht es zur digitalen Meldeplattform
Unser Versprechen: Transparenz und Sorgfalt
Jede Beschwerde löst einen verbindlichen Prozess aus:
- Eingangsbestätigung: Sie erhalten eine sofortige Rückmeldung über den Erhalt und die geplanten Schritte.
- Sorgfältige Prüfung: Wir gehen jedem Vorwurf nach und leiten notwendige Maßnahmen ein.
- Abschluss & Rehabilitation: Nach Abschluss des Verfahrens informieren wir alle Beteiligten über das Ergebnis. Sollte sich ein Verdacht als unberechtigt erweisen, sorgen wir aktiv für die Rehabilitation der Betroffenen.
Schutzkonzept und weitere Materialien
Ansprechpartner
Fachstelle für den Umgang mit sexualisierter Gewalt der Diakonie
Meldestelle Diakonisches Werk Bayern
Pirckheimerstraße 6
90408 Nürnberg
Deutschland
Regionale Fachberatungsstelle
Kinderschutzbund Nürnberg e.V.
Rothenburger Straße 11
90443 Nürnberg
Deutschland
Diakonin Lea Petrat
Rummelsberger Brüderschaft
Rummelsberg 2
90592 Schwarzenbruck
Deutschland
Diakon Jonas Adler
Rummelsberger Brüderschaft
Rummelsberg 2
90592 Schwarzenbruck
Deutschland